Schulleiter trotz allem

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Herr Matthies ist der derzeitige Direktor der Deutschen Schule in Santa Cruz, Bolivien. Er hat dieses Jahr gerade mit seiner ersten Amtszeit als Schulleiter und Lehrer begonnen. Er kam in Santa Cruz an, gerade als sich diese ganze Virus-Sache entfaltete. Deshalb hatte er überhaupt nicht die Möglichkeit, die Lehrer und Schüler kennen zu lernen. Wie kann man eine Schule unterrichten und leiten, ohne es zu kennen? Was macht man in dieser Situation?
Wir hatten die Gelegenheit, ihm einige Fragen dazu zu stellen.

Welche Fächer geben Sie an der Deutsche Schule?

Ich unterrichte im Moment nur Deutsch. Meine Fächer sind eigentlich Englisch und Politikwissenschaften.

Waren Sie schon vorher Schulleiter?

Ja, ich war insgesamt schon 13 Jahre Schulleiter, in Mexiko, Ecuador und natürlich in Berlin

Wie ist es Schulleiter und Lehrer in Pandemie Zeiten zu sein? Ist es schwieriger als normalerweise? Und wenn ja, warum?

Es ist viel schwieriger. Das liegt daran, dass sich plötzlich alles ändert. Man kann sich nicht einfach einmal kurz treffen, um etwas zu besprechen. Der ganze Unterricht muss umgestellt werden. Nicht alle können gut mit den digitalen Medien umgehen. Dadurch gibt es Probleme. Außerdem sind die Internetverbindungen oft schlecht. Das Schwierigste aber ist, dass man kaum mit Menschen zusammenkommt. Dadurch wird die Arbeit sehr steril. Was meine Arbeit besonders schwierig macht, ist, dass ich weder die Schüler noch die Lehrkräfte richtig kenne.

Ich weiss, dass Sie erst neu an der Schule arbeiten. Wie ist es jetzt Unterricht zu geben wenn man auch nicht so gut die Schüler kennt? Wie machen Sie es, damit der Unterricht, gerade mit Kinder von etwa 10 Jahre, die mehr Aufmerksamkeit brauchen,  gut geht, also dass die Kinder alles verstehen können ohne Sie  zu sehen?

Ich musste erst einmal herausfinden, wie gut die Kinder Deutsch sprechen. Einige Kinder haben mich total überrascht. Andere verstehen Deutsch noch nicht so gut und sprechen wenig. Ich versuche in den Videochats, die Fragen der Kinder zu klären und sie mit Spielen und Humor zu motivieren. Ganz wichtig sind die Erklärvideos für die Aufgaben. Das musste ich auch erst einmal lernen.  

DIE BEDROHUNG DURCH DIESES NEUE VIRUS IST SO STARK UND SO NEU, DASS DADURCH UNSERE LEBEN VÖLLIG DURCHEINANDERGERATEN SIND.

Jetzt möchte ich ein bisschen über „el concurso de ideas“ sprechen, weil es auch eine gute Form ist, die Schüler ein bisschen kennen zu lernen. War es Ihre Idee, und wenn ja, warum?

Ja, das war meine Idee, die wir dann im Leitungsteam weiterentwickelt haben. Die Bedrohung durch dieses neue Virus ist so stark und so neu, dass dadurch unsere Leben völlig durcheinandergeraten sind. Viele haben Angst, sind unsicher und vor allem auch genervt von Quarantäne, Abstand halten und Masken tragen. Ich wollte, dass Ihr alle die Möglichkeit habt, Euch kreativ zu diesem Thema zu äußern und allen zu zeigen, welche Gedanken und Gefühle Ihr in dieser Zeit habt. Die Ergebnisse liegen jetzt vor und sind wirklich beeindruckend.

Wie denken Sie, dass es weiter gehen wird mit der Schule und der Pandemie? Denken Sie, dass man nächstes Jahr schon präsenziell in der Schule sein kann?

Es ist nicht leicht eine Antwort zu geben, da wir nicht wissen, wie sich die Pandemie entwickeln wird und wann die 2. Welle kommt. Ich glaube nicht, dass wir mit dem Unterricht komplett in Präsenzform beginnen können. Ich hoffe aber, dass wir die Erlaubnis bekommen, mit kleinen Gruppen im Wechsel den Unterricht beginnen zu können. Das bedeutet, dass die Hälfte einer Klasse an einem Tag in die Schule kommt und die andere Hälfte virtuell zu Hause arbeitet. Am nächsten Tag wechseln die beiden Gruppen dann.

Wie denken Sie, dass diese Etape mit der Technologie uns beeinflussen wird? Wird man in einer Zukunft, wenn es schon eine Impfung gibt und alles normaler wird, vielleicht mehr mit Computer arbeiten als mit Heften  oder Bücher?

Auf alle Fälle. Ich habe schon seit vielen Jahren versucht, die digitalen Medien in die Schule zu bringen. Das ging nur sehr langsam voran, weil entweder das Geld fehlte oder die Lehrkräfte sich nicht umstellen wollten. Nun sind wir alle dazu gezwungen und es hat sich alles sehr dynamisch verändert. Nicht alles ist gut, denn besonders der Kontakt, das Miteinander in der Schule fehlen. Aber wir müssen die positiven Seiten der digitalen Medien in die Zeit nach der Pandemie mitnehmen. Ich persönlich werde aber auch weiterhin mit Stift und Papier arbeiten. Spontane Ideen auf ein Papier kritzeln und mit einer kleinen Zeichnung versehen, geht einfach schneller und macht Spaß. Stift und Papier brauchen auch keinen Strom.

WIR MÜSSEN DIE POSITIVEN SEITEN DER DIGITALEN MEDIEN IN DIE ZEIT NACH DER PANDEMIE MITNEHMEN.

Was denken Sie, dass man aus dieser Situation retten kann, in der man zu Hause bleiben soll und von zu Hause aus lernen?

Ich bin sicher, dass alle, die von heute auf morgen alleine zu Hause arbeiten mussten, viel gelernt haben. Ihr seid alle viel selbständiger geworden, auch wenn es schwerfällt. Vor allem habt Ihr gelernt, wie radikal die Realität sein kann und dass es manchmal nur eine einzige Option gibt. Es ist wichtig, sich darauf einstellen zu können. Das ist reelles Lernen pur.

Redactor Junior

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